26. Januar 2012
Pharamceutical Tribune Medizin Medien Austria

Interview mit Mag. Dr. Wolfgang Beindl

Die Apotheke als Zentrum für Gesundheit

PT: Was kann ein Apotheker tun, um fachlich top informiert zu sein?
Dr. Beindl: In der Landesapotheke Salzburg verfolgen wir das Ziel alle im Laufe der Zeit gesammelten Informationen und Unterlagen zu den verschiedensten Themengebieten zentral zugänglich zu machen. Verschiedene Datenbanken, eine umfangreiche Fachbibliothek und vieles mehr gewährleisten eine rasche und flexible Bearbeitung aller Anfragen von Ärzten, des Pflegedienstes der Salzburger Landeskliniken und diverser Krankenhäuser im Großraum Salzburg. Ein zentrales Thema dabei sind alle Fragen, die sich mit Wechselwirkungen und unerwünschten Arzneimittelreaktionen beschäftigen.

PT: Welche technischen Hilfen gibt es dafür?
Dr. Beindl: Als Krankenhaus-Apotheker habe ich eine PC-Unterstützung durch das elektronische Expertensystem „rpdoc“. Das ist eine Software zur Unterstützung der Arzneimittelsicherheit des Patienten, die eine Medikation zum Verordnungszeitpunkt auf Übereinstimmung mit Verordnungsregeln überprüft und durch sofortige Rückmeldung die Möglichkeit gibt, Fehler zu korrigieren, bevor sie den Patienten erreichen. Das System überprüft die Verordnung unter Berücksichtigung von Kontraindikationen und Allergien, indikationsspezifischer Dosierung und Applikationsfrequenz, Dosisanpassung nach Alter, Geschlecht oder Nierenfunktion, aber auch aktuelle klinisch relevante Interaktionen oder Nebenwirkungen.

PT: Dieses Know-how steht auch außerhalb des Krankenhauses zur Verfügung?
Dr. Beindl: Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Nutzerbedürfnisse gibt es zwei Versionen – einmal für niedergelassene Ärzte oder Apotheker und ein Spezialsystem für Kliniken und Krankenhausapotheken.

PT: Was halten Sie von generell von einer Computer-Unterstützung – etwa E-Card oder Arzneimittel-Sicherheitsgurt?
Dr. Beindl: Derartige Expertensysteme machen absolut Sinn. Es ist ein Vorteil für den Patienten, wenn via E-Card eine Kontrolle aller Arzneimittel möglich ist. Dadurch können Interaktionen und unerwünschte Arzneimittelereignisse detektiert werden, aber auch Doppelverschreibungen oder Doppelgleisigkeit zwischen Spital und niedergelassenen Ärzte vermieden werden. Gerade alte multimorbide Menschen mit Mehrfachmedikation könnten von einer Kontrolle profitieren. Wobei es aber eigentlich gar nicht um die Kontrolle geht – die Therapie ist eindeutig Sache des Arztes –, sondern um einen Beitrag zu mehr Sicherheit in Sachen Arzneimittel bei jedem einzelnen Patienten.

PT: Dass der PC zu mehr Beratungsleistung verhelfen kann, beweist auch das REP-Service?
Dr. Beindl: Dieses „Rechercheservice evidenzbasierte Pharmazie“ ist eine internetbasierte Frage-Antwort- Plattform für den niedergelassenen Apotheker. Fragen aus dem Apothekenalltag können dabei direkt an das Rechercheteam der Landesapotheke am St. Johanns Spital Salzburg gestellt werden. Die Antwort wird durch das Rechercheteam – nach evidenzbasierter Literaturrecherche – erarbeitet und dem Apotheker zur Verfügung gestellt. Der Vorteil: Dadurch kann jede Fragestellung nach dem neuesten Stand der Wissenschaft und der klinischen Expertise der Landesapotheke Salzburg beantwortet werden. Der niedergelassenen Apotheker hat normal diese Chance nicht.

PT: Was waren die Fragen?
Dr. Beindl: Das Spektrum möglicher Fragen umfasst alle relevanten Themenbereiche aus der Offizin- und Krankenhauspharmazie – von der allgemeinen Pharmakologie, Arzneimittelinteraktionen, Impfungen, Kinderdosierungen oder magistralen Zubereitungen bis hin zu Therapie- Leitlinien und Wirksamkeitsvergleichen.

PT: Wie wird das finanziert?
Dr. Beindl: Es ist eine Kooperation zwischen der Landesapotheke Salzburg und der Fa. Actavis. Die Landesapotheke Salzburg stellt die unabhängige Rechercheinstanz dar. Actavis zeichnet für die technische und organisatorische Entwicklung von REP verantwortlich und nimmt keinerlei Einfluss auf die Beantwortung der Anfragen.

PT: Sie sind auch in der Fort- und Weiterbildung aktiv ...
Dr. Beindl: Für jeden Pharmazeuten ist die laufende Weiterbildung wichtig. Was Apotheker aber nie in ihrem Studium gelernt haben, sind wirtschaftliche Aspekte, denn die Ausbildung an der Uni ist rein naturwissenschaftlich. Apotheker sind aber Dienstgeber und leiten in der täglichen Praxis Klein- bis Mittelbetriebe, und dafür fehlt sehr oft das wirtschaftliche Wissen. Denn letztlich muss jede Apotheke auch Ertrag abwerfen. Das Rezept wird immer mehr zum Frequenzbringer und wirft keinen ausreichenden Ertrag ab. Ich sehe die Apotheke als Informationsdrehscheibe und Gesundheitsplattform. Eigentlich bieten wir das Fachgeschäft für Gesundheit – ein Komplettangebot inklusive Beratung, persönliche Gesprächsbasis. Wobei wir keine Therapie anbieten, sondern nur umfassende Beratung.

PT: Warum ist Ihre Fortbildungsinitiative besonders geeignet, das Unternehmen Apotheke zu fördern?
Dr. Beindl: Es geht darum, das wirtschaftliche Know-how zu stärken. Deshalb habe ich die Fortbildungsveranstaltung „Unternehmen Apotheke“ initiiert. Dabei lernen die Teilnehmer Bilanzen lesen, Warenwirtschaft organisieren oder alle Details über das Kreditwesen. Ganz neu ist jetzt aber die Veranstaltung „Erfolgsfaktoren für Ihre Apotheke – Machen Sie Ihr Unternehmen fit für die Zukunft!“. Einerseits geht es um Marketingideen in der Apotheke selbst, aber auch um die Mitarbeiter, die qualifiziert und motiviert den Umsatz erhöhen helfen, und die Kunden. Dabei beschäftigen wir uns zwei Tage lang in einem Seminarhotel am Wolfgangsee mit Apotheken- Marketing, Positionierung, Kundenbindung und Kommunikation, aber etwa auch mit dem wichtigen Thema Ladenbau.

Interview von TS

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© MMA, Pharmaceutical Tribune • 1. Jahrgang • Nr. 2/2009

Mag. Dr. Wolfgang Beindl

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